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Sturm und Regen – dann bleib ich halt daheim!

Bei Sturm geht man nicht in den Wald. Richtig. Und wenn dauerhaft Nieselregen angekündigt ist, wird ein Spaziergang schnell unangenehm. Richtig. Wie ich mich trotzdem motiviert habe, ein Mikro Abenteuer zu bestreiten:

Ziel: Frühstück am Rheinufer mit Kaffeekochen und Blackjack herstellen

Location: Rheinufer im Süden Bonns, 9:00 Uhr bis 13:00 Uhr

Wetter: 4° bis 5° C, geschlossene Wolkendecke, Nieselregen (zwischen 0,2 und 0,5 Liter pro Quadratmeter). Vorhersage für den Nachmittag: stärkerer Regen.

Vorbereitung: 1l Wasser, Kaffee, Milch, Feuerstahl, Messer, Zunderbeutel, Brennholzbeutel, Hobo-Kocher und Sitzunterlage einpacken. Auf dem Weg zur Bahn zwei Frühstücksbrötchen kaufen.

Wie ist es gelaufen?

Innere Vorbereitung

Erst wollte ich kneifen. Ein freier Tag. Mal wieder Zeit, ’rauszugehen. Aber der Wetterbericht sagt Sturmböen an. Damit fällt der Waldbesuch flach, den ich vorhatte. Außerdem soll es ganztägig bewölkt sein und mit 90%iger Wahrscheinlichkeit ganztägig leicht regnen. Na toll, dann bleib ich halt daheim.

Schlecht geplant. Dabei hätte ich den Waldausflug am Sonntagvormittag wagen können. Dafür hätte ich halt früh aufstehen müssen. Und das hatte ich nicht wirklich vorbereitet und hab es dann verschlafen.

Könnte, sollte, müsste. Ja, es gibt in Bonn diverse Grillhütten, die man ohne Anmeldung nutzen darf. Das hatte ich schon recherchiert. Im Netz hatte ich auch ein paar Bilder von überdachten Hütten gesehen. Und bei dem Wetter wäre ich da wahrscheinlich der einzige Nutzer. So ein Regen- und Sturmtag ist eigentlich ideal, um mir die Hütten mal vor Ort anzuschauen. Aber das alles war gestern Abend noch im Bereich von: „Könnte ich, mache ich aber sowieso nicht.“

Ein Wunder. Ich weiß nicht, was genau mich dann doch früh um 9:00 Uhr aus der Wohnung treibt. Dass ich schon länger kein Mikro Abenteuer mehr hatte? Ein wenig habe ich auch Lust auf das nasskalte Wetter. Solange meine Kleidung das mitmacht. Und wann soll ich die testen, wenn nicht heute? Also Los!

Nieselregen

Rheinufer.  Ich starte eine Haltestelle weiter südlich als ich eigentlich müsse, um mal wieder ein wenig mehr Bewegung zu bekommen als im Home-Office Alltag. Am Ende des Ausflugs werde ich gut 8 km gelaufen sein. Das weiß ich jetzt aber noch nicht.  Am Rheinufer sieht man noch immer die Spuren des Hochwassers. Keine Zerstörung, aber Dreck und Treibholz, das der Fluss zurückgelassen hat.

Wolkenverhangen. Ja. Der Wetterbericht hat recht. Kein Sonnenstrahl dringt durch die Wolken. Dafür laufe ich durch den Sprühregen am Rhein entlang. Eigentlich nur eine Art feiner Nebel-Regen. Oder?

Planänderung? Soll ich versuchen, am Ufer einen Ort zu finden, an dem es so trocken und windstill ist? Dann koche ich mir dort einen Kaffee. Ich kann mir schon vorstellen, dass das möglich wäre. An einer Stelle steht die Uferbefestigung etwas hervor. Darunter könnte ich laufen und nachsehen.

Nein. Ich bleibe bei meinem Plan, die beiden Grillhütten zu inspizieren, die ich auf der Karte ausgemacht habe.

Die Grillhütten

Zwei dicht beieinander. An zwei Stellen relativ dicht beieinander gibt es überdachte Grillhütten. Ich habe sie auf dem Plan mit den Feuer-Symbolen markiert. Die Seitenwände fehlen, sodass der Wind durch pfeift. Auch die Parkbänke, die jemand drinnen aufgestellt hat, schirmen den kalten Wind nur notdürftig ab. Die Rückenlehnen bestehen aus mehreren Querbalken, zwischen denen der Wind ungestört durch strömt.

Sauber, aber sehr „Basic“. Die Stadtreinigung kümmert sich um die Leerung der Mülleimer. Jedenfalls sehe ich ein Auto von Bonn Orange vom Grillplatz. Es scheint mir auch als hätten sie den Weg um die Hütte gefegt.

Es gibt keinen Grillrost oder einen gemauerten Grill. Lediglich ein paar Steine markieren eine Feuerstelle in der Mitte. Das war es.

Kocher aufbauen. Zwei der Steine kann ich stabil übereinander stapeln. Damit habe ich eine gute Fläche für den Hobo-Kocher. Hier brauche ich nicht mal meine Feuerschutzmatte.

Anfeuern. Ich wickel Blackjack in ein Stück Birkenrinde und gebe feinen Kienspan-Abrieb auf den verkohlten Stoff. Diese Konstruktion kann ich mit dem Feuerstahl gut entzünden. Mit ein paar Funken glüht der Stoff. Durch Pusten erzeuge ich  ein immer größer werdendes Glutnest und weißen Rauch. Dann plötzlich eine Flamme. Das war fast so schnell wie mit einem Streichholz.

Den Hobo Kocher habe ich mit trockenem Holz vorbereitet und einen Featherstick geschnitzt, der die Flamme gut aufnimmt und tief in den Hobo Kocher bringt.

Heiße Küche

Kocht es? Wenn das Feuer etwas raucht und der Topf in der kalten Luft stark dampft, ist gar nicht so leicht zu erkennen, ob das Kaffeewasser jetzt wirklich sprudelnd kocht. Das hier ist ja Leitungswasser. Aber müsste ich Bach-Wasser keimfrei abkochen, würde ich es noch länger erhitzen.

Wind und Glut. Der Wind pfeift weiter um den Kocher. Zum Glück kommt er von hinten, aber er facht die Flamme ziemlich an. Schnell entsteht – hauptsächlich aus dem Hartholz – eine gute Glut. Aber ich muss ständig nachlegen, damit das Feuer nicht komplett herunterbrennt.

Weg mit der Prütt! Dann ist das Wasser heiß und ich gebe das Kaffeepulver hinzu. Mit einem Stück Holz kann man prima umrühren, und der Kaffeesatz sinkt zu Boden. Das meiste zumindest. Von dieser „Prütt“, wie der Kaffeesatz laut Supa Manions Oma heißt, landet ein wenig in meinem Thermobecher, ohne dass ich das merke. Der begegnet mir später bei meinem letzten Schluck noch mal unschön.

Der Kaffee ist fertig. Jetzt heißt es, die Glut nutzen für Blackjack.

Blackjack

Verkohlte Baumwolle. Hier hatte ich schon mal ein wenig zu meinem Lieblings-Zunder geschrieben. In einem kleinen Metallbecher habe ich Baumwoll-Stücke mitgebracht. Der Decken schließt relativ luftdicht. Lediglich durch ein kleines Loch entweicht Rauch, nachdem ich ihn in die Glut gestellt habe.

Anfeuern. Um die Dose herum entfache ich mit dünnen Stöckchen wieder die Flammen. Die halten das Feuer am Leben und entzünden auch den Baumwoll-Rauch. Sofort stinkt es kaum noch. Nach einer Weile hört es auf, aus dem Dosen-Inneren zu rauchen. Ich hole sie mit zwei Stücken Holz aus dem Feuer. WOW der untere Teil der Dose glüht ja rot?! Ob das zu viel des Guten war?

Abkühlen. Ich stelle sie auf den Boden, in den kalten Wind und verteile auch die Glut und die letzten noch brennenden Holzstücke im Hobo Kocher, damit der schnell ausglüht und ich wieder alles einpacken kann.

Fertig. Es dauert gar nicht so lange, bis ich die Dose anfassen und öffnen kann. Ja! Das ist toller Blackjack, der direkt in meine Sammlung wandert. Ob man auch andere Naturfasern verkohlen und als Zunder nutzen kann?

Rückweg

Wanderung zur Straßenbahn. Wieder überspringe ich eine Straßenbahn-Station, an der ich „meine“ Bahn gerade abfahren sehe und laufe zur Nächsten. Besser in Bewegung bleiben und warm als 10 Minuten im kalten Wind warten.

Wetterfest? Die Hose und der Anorak, die ich anhabe, sind beide nicht imprägniert. Trotzdem halten sie 2,5 Stunden Sprühregen gut aus. Der Anorak ist außen klamm, innen aber noch komplett trocken und wärmt wie zu Beginn.

Festbrennstoff. Auf dem Rückweg gehe ich an einem Outdoor Laden vorbei und besorge mir Festbrennstoff. Das Markenprodukt, das es einzeln eingeschweißt gibt – und das dadurch optimal haltbar ist – ist im Netz vollkommen überteuert angeboten. Hier bekomme ich es zu einem vernünftigen Preis. So bin ich flexibler, wenn ich mit dem Hobo Kocher Wasser oder Essen heiß machen will. Ich muss so nicht immer Holz mitnehmen.

Rucksack. Außerdem will ich mich zu einem Rucksack beraten lassen. Mein ausrangierter City-Rucksack ist mittlerweile so voll, wenn ich alles einpacke, dass ich erste Dinge außen dran hängen muss. Ich lerne sehr viel. Vor allem, worüber ich mir alles noch gar keine Gedanken gemacht habe.

Rucksack-Wissen. Ich lerne auch, dass es sehr auf die Rückenlänge ankommt, wie man einen Rucksack einstellen muss. Der Erste, den ich aufhabe, passt zufällig gleich einwandfrei. Aber ich merke, dass ich erst noch mal über die Fragen nachdenken muss.

Was habe ich gelernt?

  • Pass dich dem Wetter an oder pass dich dem Wetter an. Entweder verschiebst du deine Pläne so, dass das Wetter zu den Plänen passt. Oder du gehst raus, egal bei welchem Wetter… Zur Not kochst du deinen Kaffee dann halt im Schutz einer Brücke.
  • Rucksack-Fragen: Ich möchte einen guten Rucksack, aber ich weiß noch nicht so recht, was für einen und so. Ziel: Ich möchte bald folgende Fragen beantworten:
    • Was will ich mit dem Rucksack denn machen?
    • Tagestouren oder auch länger unterwegs sein?
    • Mit Zelt? Mit Tarp? Oder nur mit Schlafsack?
  • Rucksack Tipp: Wenn du eine Einschätzung bekommen willst, wie viel Liter dein Rucksack fassen muss, pack deine Sachen in Müllbeutel. Die sind genormt auf 10 oder 20 Liter. Am Ende alles aufaddieren. Et voila: Du hast dein benötigtes Rucksack-Volumen.

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