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2 vs. Wild in der Schweiz

– Gastbeitrag –

Sandro kommt aus der Schweiz. Er hat mit seinem Schwager eine Nacht im Schweizer Wald verbracht. Im Schnee. Und bei Sturm und Regen. Und er hat hier darüber geschrieben.

Was ist der Plan?

Das eigentliche Ziel war eine Übernachtung im Schnee zusammen mit dem Bruder meiner Frau. Leider wurde dieses Ziel durch anhaltenden Regen in den letzten Tagen im Zielgebiet unserer Reise leider verunmöglicht. So standen wir vor der Entscheidung, ob wir die Herausforderung verschieben oder anpassen wollen. Nach Rücksprache mit meinem Schwager war aber schnell klar, dass wir es durchziehen werden.

Hauptziele. So haben wir spontan entschieden, dass wir uns dem nassen Wetter stellen und haben uns folgende Hauptziele gestellt:

  1. Nachtlager aufbauen.
  2. Feuer entfachen.
  3. Auf dem Feuer kochen. Wir haben auf dieser Reise auf einen Gaskocher verzichtet.
  4. Am nächsten Tag gute Laune haben. Ja, dies ist nicht immer einfach.

Unsere Ausrüstung:

  • Gutes Survival-Messer
  • Axt & Klappsäge
  • Feuerstahl
  • Cheatbox mit Feuerzeug und Zunder
  • Kochtopf und Besteck
  • 3 × 3 m Tarp (leichte, wasserdichte Plane)
  • Paracord (Fallschirmschnur)
  • Schlafsack
  • Biwaksack & Isomatte
  • Ersatzkleidung
  • Essen & Trinken

Wie ist es gelaufen?

Tag 1.

Wir sind um 10:00 Uhr von mir Zuhause aus ins Abenteuer gestartet. Beide Rucksäcke waren trotz Minimum an Ausrüstung ziemlich schwer, da der Winterschlafsack um einiges schwerer ist, als der „normale“ für die restlichen drei Jahreszeiten. Zudem hatten wir noch Regenbekleidung eingepackt, was sich auch beim Gewicht bemerkbar gemacht hat.

Aufstieg. Da ich am Fuß der Jurakette wohne, ging der gesamte Weg nur Bergauf. Zum Glück hat es zu dieser Zeit nicht geregnet und wir konnten den gesamten Fußmarsch bis zum Lagerplatz in verhältnismäßig gutem Wetter, aber ohne Sonnenschein (es war neblig) zurücklegen.

Wasserversorgung. Nach ca. 1.5h Fußmarsch haben wir unterhalb des Wanderweges einen kleinen Bach entdeckt und entschieden, dass wir dort unser Lager aufschlagen werden. Der Abstieg zum Bach war steil und durch den nassen Untergrund auch extrem rutschig. So habe ich mich unfreiwillig auf eine Rutschpartie begeben und meine Hosen sahen anschließend bereits nach «Abenteuer» aus.

Lagerplatz:

Am Ufer des Baches haben wir uns nach einem entsprechenden Platz für das Lager umgeschaut. Hier lag unser Fokus darauf, dass es nicht allzu viele Steine hatte. Das dankt der Rücken am nächsten Morgen. Außerdem haben wir einen Platz gesucht, der höher gelegen ist als der Bach.  Solche Bäche können bei Regen ziemlich groß werden und führen dann einiges an Wasser.

Nach ca. 30 Minuten Suche, haben wir einen geeigneten Platz gefunden und un kurz abgestimmt, wer welche Aufgaben übernimmt.

Aufbau Lager: Damit unsere Rucksäcke nicht nass werden, haben wir diese jeweils mit einem Stück Seil an einem Baum hochgebunden. Dies ist bereits ein erster Lifehack. Das Hochbinden verhindert bei nassem Wetter, dass bereits zu Beginn der gesamte Inhalt des Rucksacks feucht oder gar nass wird. Im Sommer macht es «Nagern» etc. das Leben schwer. Sie kommen nicht so einfach an den Inhalt des Rucksacks. Zudem sieht das Lager auch gleich etwas «geordneter» aus. Und das ist gut für die Moral.

Aufgabenverteilung: Meine erste Aufgabe war das Feuer und mein Schwager hat sich um den Untergrund des Nachtlagers gekümmert. Da der gesamte Wald nass war, war es unmöglich trockenes Feuerholz zu finden. So habe ich das gefundene Zunderholz jeweils in meine Jacke gestopft, damit es mit der Körperwärme etwas antrocknen konnte. Als Feuerholz haben wir Totholz gesucht, welches wir anschließend mit dem Beil spalten konnten, um so «den trockenen Teil» des Holzes zum Vorschein zu bringen.

Mein Schwager hat sich für eine «Bettunterlage» aus Schnee entschieden, damit der Untergrund etwas ausgeglichen werden kann. Als ich mit der ersten Ladung an Feuerholz zum Lager zurückgekommen bin, war es mit seinen Vorbereitungen bereits fertig und wir konnten entsprechend zusammen das Tarp spannen, damit unser Lager bei Regen trocken bleibt.

Als ob das Wetter genau auf diesen Moment gewartet hatte, begann es nun leicht zu regnen.

Feuer ist gut für die Motivation: Somit haben wir uns auf das Feuer fokussiert und so haben wir die Feuerstelle vorbereitet und das Holz gespaltet. Jetzt war alles bereit und ich konnte mit dem Feuer beginnen. Zu Beginn habe ich versucht, das Feuer mit dem Zunder und mit meinem Feuerstahl zu starten, was bei gutem Wetter kein Problem ist, aber ja, wir hatten dieses Mal halt kein gutes Wetter. So habe ich meine Cheatbox geöffnet und mein Feuerzeug und den trockenen Zunder benutzt. Nach wenigen Minuten hatte ich ein akzeptables Feuer, sodass wir uns wieder um das Feuerholz kümmern konnten und einen kleinen Vorrat anlegen konnten.

Abendessen: Da der Regen jetzt etwas stärker wurde, haben wir uns entschieden, etwas früher das Abendessen vorzubereiten, damit wir das Feuer entsprechend nutzen konnten. So habe ich den Kochtopf, einen Liter Rotwein und das Glühweingewürz aus dem Rucksack geholt und dies auf der Glut platziert.

Ja, ihr habt richtig gelesen, ich habe uns einen richtig «geilen» Glühwein hingezaubert, den wie Bear Grylls (via Wikipedia) zu sagen pflegt:

Man muss sich stets motivieren und die Laune hochhalten.

Nebenbei habe ich noch Kartoffeln in Alufolie in das Feuer gelegt, damit wir auch noch etwas Warmes essen können. Nach ca. 30 Minuten war dann das Abendessen bereit und wir konnten unseren Gaumenschmaus genießen.

Schlafenszeit: Nach dem Essen haben wir noch unsere Ausrüstung ins Trockene gelegt und unsere Biwaksäcke, Isomatten und Schlafsäcke vorbereitet. Zudem habe ich bereits trockene Kleidung in den Schlafsack gelegt, sodass ich diese bei der rasch eintretenden Dunkelheit einfacher finden kann.

Gegen 18:00 war es bereits so dunkel und unsere Kleider so durchnässt, dass wir uns entschieden haben, die Schlafsäcke in Anspruch zu nehmen.

Die Natur hat das Sagen. Das hieß halt etwas früher zu schlafen als gewohnt. Beim Surviving bestimmen Wetter und die Natur den Tagesablauf sehr stark mit.

So in diesem Sinne, gute Nacht …

Nacht: Hatte ich geschrieben gute Nacht? Ja … Denkste! In der Nacht hat es ohne Unterbrechung geregnet und gegen Mitternacht hat der Wind aufgefrischt. Ich habe erst am nächsten Tag erfahren, dass es eine Unwetterwarnung in der Schweiz gab aufgrund der Winde und des Regens.

So bin ich immer wieder aufgrund der Windböen aufgewacht und zum Teil tropfte es mir auf den Kopf, da unser Tarp wohl doch nicht 100 % dicht war.

Gute Wahl. Immerhin war mein Schlafsack dicht und ich hatte die ganze Nacht richtig warm. Hier haben sich die 2 kg zusätzliches Gewicht für den Schlafsack richtig gelohnt. Zudem wurde das Tosen des Baches immer lauter und ich musste immer wieder schauen, ob dieser über die Ufer tritt, was aber nicht der Fall war.

Tag 2:

Murmeltier vs. Lärche. Ich bin gegen 05:00 Uhr aufgewacht und konnte nicht mehr einschlafen. Mein Schwager hat wie ein Murmeltier neben mir weitergeschlafen, als ob er in einem Luxushotel wäre. Schön für ihn … 😊 Um 07:00 Uhr habe ich meine nassen Hosen angezogen und bin damit nochmals in den warmen Schlafsack gelegen, damit sich diese etwas aufwärmen.

Start in den Tag. Gegen 08:00 hat es mit dem Regnen etwas aufgehört, somit habe ich ihn geweckt und wir haben entschieden nur ein kleines Frühstück zu essen und anschließend das Lager abzubauen. Wir waren zwar beide durchnässt, aber gut gelaunt und glücklich, dass wir das Abenteuer gewagt haben und es durchgezogen haben.

Der Rückweg war angenehm und wir konnten über das Erlebte reden und bereits über die Pläne sprechen, was wir als nächstes Abenteuer machen wollen und wo wir das nächste Mal «Verbesserungspotenzial» sehen.

Was habe ich gelernt?

Und was würden wir nächstes Mal anders machen?

  1. Tarp korrekt spannen. Wir haben am nächsten Tag gemerkt, dass die Richtung der Nähte so ausgerichtet war, dass das Wasser direkt in die Naht reinläuft und dadurch das Tarp undicht war.
  2. Unterlage besser isolieren, das heißt über den Schnee noch Tannenäste legen, sodass wir nicht «direkt» auf dem Schnee liegen.
  3. Kleidung. Bessere und vor allem dichtere Jacken mitnehmen, da unsere bereits ziemlich schnell durchnässt waren und es so etwas unangenehm wurde.

Was fällt euch noch ein, zu unserem Mikro Abenteuer? Rein damit, in die Kommentare!

There is 1 comment

  1. Vielen Dank für diesen Beitrag. Ich denke, ich werde im Frühjahr mal eine erste Nacht-Aktion im Wald machen. Aber im Winter, bei Schnee – Respekt. Das ist für mich noch nicht dran.

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